artikel aus dem katalog
Glasdach im Innenhof
des Prof. W. Ziesel
 
 
artikel aus dem katalog
Ephesos - Hanghaus II
des Prof. W.Ziesel
 
 

texte aus der provinz:
Deutsch-Wagram

 
 
lakonisches
 
 
kinderfreibad Hofferplatz, Wien 16
 
 
artikel für die zeitschrift Arhitectura
 
 
kulturzeitschrift Dilema, bukarest
 
 
in Wien erschienen...
 
 
artikel für Kontakt - Magazine for Arts and Civil Society in Central Europe
 
 


Ein „auferstehernder" Friedhof

Gedanken zum Friedhofentwurf für Deutsch-Wagram (im Auftrag des Büros Arch. Erich Amon) 23. Sept. 1997


(ohne Sprachkorrektur...)


In Hermann Hesses Siddharta gibt es den Fluß an dem, nach einem Leben voller fieberhaftem Suchen nach dem Absoluten, nach dem Sinn der Existenz, der Held des Romans erst im Alter ankommt, wo er zum Fährenführer wird. Dort kommt er zur vielgesuchten Erkenntnis und entdeckt im FLUSS das Symbol für alles was lebt und ein Werdegang hat.

Das Wasser also als Symbol des Lebens, aber auch des Werdens und des Überganges zu einem neuen Stadium der Existenz.

Mircea Eliade sagt in „Bilder und Symbole" (Gallimard, Paris 1952) daß „die Symbolik des Wassers sowohl den Tod als auch die Auferstehung einschließt". Das eintauchen im Wasser symbolisiert die Rückkehr ins Formlose, das Herauskommen aus dem Wasser hat die Bedeutung eines Schöpfungsaktes, des „Leben Geben" und des „Form Geben". Das Wasser „reinigt von Sünden" und hat eine regenerierende Kraft gleichzeitig. Wasser steht mit eines der wichtigsten christlichen Riten in Verbindung: mit der Taufe. Die Taufe ist auch eine symbolische Erneuerung, so wie der Kirchenvater Johannes Goldmund schreibt:

Die Taufe „bedeutet Tod und Begräbnis, Leben und Auferstehung... Wenn wir unser Kopf im Wasser tauchen, wie in einem Grab, so ertrinkt der alte Mensch, er wird gänzlich begraben; wenn wir aus dem Wasser herauskommen erscheint auf einmal der neue Mensch."

Nicht nur in der christlich-judaischen Tradition ist Wasser Ursprung aller Existenz. Fast in allen Religionen ist Wasser mit der Schöpfung der Welt verbunden. Im Alten Testament wird in der Genesis über den Geist Gottes gesprochen, welcher über die Gewässer schwebte. („Finsternis lag über den Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern", Genesis, 1,2)

Das Symbol des Wassers als Taufe und Wiedergeburt als auch das Kern dessen, was unser christliche Glaube ist, das resurectio mortuorum, wie es lateinisch heißt, und so wie es im Geheimnis des Glaubens „und an die Auferstehung von den Toten glauben wir" genannt wird, also diese zwei Symbole, sollen auch die Kernsymbole des neu gestalteten Friedhofes sein.


Erneuerung durch die reinigende Kraft des Wassers und lebendig-werden, auferstehen, durch die Kraft des Glaubens, wiederspiegelt in der neuen Gestalt des Friedhofes. (Der Friedhof war immer auch ein imago mundi, ein Abbild unserer Welt. Daher ist es wichtig, es an unsere aktuellen Vorstellungen anzupassen.)

Ein Friedhof soll zur Einheit, doch zur LEBENDIGEN Einheit erweckt werden. Die toten, geraden, regelmäßigen Kompositionslinien des Grundrisses sollen in vielfältige, lebendige Formen überfließen.Denn wir Glauben nicht nur an die Auferstehung Christi, sondern an seiner LEIBLICHEN Auferstehung, und daher auch an unserer Auferstehung, nicht nur im Geiste, sondern auch im Leibe. In diesem Sinne sollte ein Friedhof kein militaristisch eingerichtetes Lager, mit strengen, toten Formen sein, sondern ein Ort des Lebens, des Einklangs mit der Natur, mit der gesamten Schöpfung, ein Ort welches die Freude der Auferstehung „am Ende der Tage" präfigurieren soll.


Prinzipien der „Belebung" der Komposition - Variante mit Geraden und Variante mit Kurven



Gestaltungselemente:


Grün(Leben) - Vertikalen, Linien, Flächen (Bäume, Grünzüge, Rasen, Wiesen)

Stein, Beton(Tod, Ewigkeit) - Gestaltungselemente, Pflastersteine, Müllplatz, Bänke, Brunnen- und Wasserlaufeinfassungen

Schotter, Kies, Sand (Purgatorium, Übergang) - Wege, Wasseradern, Gestaltung der Grünflächen

Wasser (Taufe, Auferstehung) - Wasserader, Brunnen, Wasserentnahmestellen



Was haben Politik, Soziales und Friedhöfe gemeinsam?

17. Okt. 1997



In der heutigen Zeit wird der Tod immer mehr aus unserer Gesellschaft verdrängt. Er paßt einfach nicht im Bild des Konsummenschen hinein. Die Hollywoodfilme zeigen der Jugend einen Bugs Bunny welcher nach Bombenexplosionen nur mit ein paar verkohlte Haare davon kommt und praktisch unsterblich ist. Sie zeigen uns Filme in denen Menschen massenweise und spektakulär sterben. Kugeln bringen Köpfe wie große Wassermelonen zur Explosion, mit entsprechendem Blutspritzer auf der Kameralinse.

In diesem Zustand, in welchem die jungen Generationen immer mehr den wahren Bezug zum Tod verlieren, gilt es desto mehr, ein Friedhof so zu gestalten, damit es nicht nur alleine seinen rein funktionellen Zweck erfüllt, sondern auch die christlichen und humanistischen Vorstellungen über den Tod darstellt und an die Besucher, speziell an die jüngeren, transportiert. Letztendes sind sie diejenigen welche in der Zukunft die Pflege und Verwaltung des Friedhofes sichern müssen. Von ihnen hängt es ab, ob der Friedhof „überleben" wird.

Deswegen sollte man sich nicht scheuen, in einem Friedhof so viel wie in einem gestalteten Park zu investieren. In einem gut gestalteten und organisierten Friedhof kommen dann die alte und die junge Generation. Die eine um zu trauern, die andere um zu meditieren und Ruhe, (weit weg von der Medienwelt) zu finden.



Prinzipien des Vorentwurfes:


1. Zusammenfassen der Verschiedenen Teile des FH. in einer einzigen Komposition. Das passiert hauptsächlich durch die Hervorhebung eines „Prozessionringes" durch besondere Pflasterung und durch kleinere Eingriffe, wie z.B. eine Reihe Stelen (Steine) welche diesen besonderen Weg von Stelle zu Stelle markieren, neue Baumpflanzungen, usw. Ein einheitlicher Typ für Bänke, Wasserentnahmestellen u.a. würde auch zur Einheit beitragen.

2. Ein neuer Ort für Messen im Freien und Prozessionen, ein freibleibender grüner „Anger" sollte im neuen Bereich des FH errichtet werden. Dieser soll eine grüne, leicht ansteigende Rampe sein(2,5 %,Steigung) die vom neuen FH-Eingang hinein ins FH führt. Die Prozessionen würden an der Spitze der Rampe ihren Endpunkt finden, wo dann auch Messen gefeiert werden können. Die Rampe würde so auch den Kalvarienberg symbolisieren.

3. Meditationsgarten. Vom höchsten Punkt der Rampe blickt man auf den „Gartenbereich" hinab, welcher aus einem Zypressengarten und einem Versenkten Sitzplatz, getrennt von einem Wasserspiegel, besteht.Das Wasser, als Symbol der Seelischen Reinigung, des Überganges und der christlichen Taufe, liegt zwischen dem Leben und dem Tod (zwischen dem Zypressengarten und dem versenkten Bereich).

4. Wassserquelle und -rinne. Vom Becken wird das Wasser durch eine Betonsäule hinaufgepumpt und quillt oben auf der Rampe wieder aus. Von der „Quelle des Lebens" rinnt das Wasser entlang einer schmalen Rinne die Rampe hinunter und kehrt schlußendlich zurück in dem Becken. Der Kreislauf des Lebens schließt sich. Aus den Gewässern des Ur-Chaos wird das Leben emporgehoben, um dann an seinem Ende wieder im Chaos zurückzukehren. Die Lage ist abe nicht so aussichtslos wie sie scheint: Dieser deterministische Kreislauf wird von der Anwesenheit des Kreuzes aus Stahl über die Wasserfläche, als auch von der „Sartrampe zum Himmel" symbolisch durchbrochen. Sie erinnern an das christliche Versprechen des Lebens nach dem Tod.